Der 29. Januar 2017 ist für die Êzîden in der Bundesrepublik Deutschland zu einem historischen Datum geworden: der „Zentralrat der Êzîden in Deutschland (ZÊD)“ mit Sitz in Bielefeld wurde gegründet. Die Êzîden sind seit nunmehr einem halben Jahrhundert in Deutschland ansässig und in der Gesellschaft integriert. Erstmals ist es gelungen, sie in einem breiten Bündnis, von fast 80% der organisierten Vereine und Gruppierungen, unter einem Dach zu vereinen. Damit wurde das deutliche Zeichen gesetzt, dass die Êzîden ihr eigenes Schicksal, noch mehr als bisher, in ihre eigenen Hände nehmen, mit einer Stimme sprechen und als Einheit in Deutschland gegenüber Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft für die eigenen Belange hier und in den Krisenregionen der Welt handeln und agieren können.

Nach der Gründungsversammlung können insbesondere folgende Grundaussagen festgehalten werden:

Der Zentralrat wird u.a. von folgenden Aufgaben und Zielen geleitet:

Bei der Gründungsversammlung in Bielefeld wurde der Vorstand mit Vertretern aus allen Herkunftsregionen besetzt. Zum Vorsitzenden des ZED wurde Herr Dr. Irfan Ortac gewählt. Der Politologe erhielt im ersten Wahlgang, trotz zweier Gegenkandidaten, knapp 70% der Stimmen. Herr Dr. Saeed Saydo, Frau Zemfira Dlovani und Herr Ismet Brimu sind die stellvertretenden Vorsitzenden. Daneben gehören dem erweiterten Vorstand sowohl Vertreter der irakischen, syrischen, türkischen als der auch kaukasischen Eziden an. Der Vorstand besteht derzeit aus 14 Mitgliedern. Der ZED wird die seit Jahren unermüdlich geführte Arbeit der ezidischen Gemeinden und Vereine fortführen. Hierbei gilt der Dank an die Gemeinden und Vereine, insbesondere an den bisherigen „Zentralrat der Yeziden in Deutschland“ (ZYD). Sowohl dieser wie auch die Vereine und Gemeinden hatten in der großen Krise seit den fürchterlichen IS Angriffen auf die ezidische Bevölkerung, durch ihre Arbeit, großen Anteil an Akzeptanz in der deutschen Politik, den Medien und der Bevölkerung. Die bisher geleistete Arbeit, das erfolgreiche Zusammenwirken vieler Gemeinden und Vereinen soll nun weiter professionalisiert, auf breitere Füße gestellt und auf mehrere Schultern verteilt werden. Die Gründungsvereine sind sich ihrer Verantwortung und der Komplexität ihrer Aufgaben sehr bewusst. Wir alle hoffen, dass sich bald auch die derzeit noch unentschlossenen Vereine zu einem Beitritt in den ZED entschließen und gemeinsam mit uns für die Rechte unseres ezidischen Volkes streiten. Der Genozid an den Eziden am 03 August 2014 war leider nur einer von vielen in der Historie unseres Volkes. Die barbarischen Verbrechen haben die Erkenntnis in uns reifen lassen, gewappnet zu sein, für die vielen internationalen Unwägbarkeiten. „Wir wollen nie wieder Opfer sein, sondern egal wo, immer ein Leben mit denselben Rechten und Pflichten wie die anderen Teile der jeweiligen Bevölkerung führen“, so die einstimmige Haltung der Mitglieder. Diese Erkenntnis hat uns geeint , dieses gemeinsame Ziel gibt uns die Kraft für unser heutiges und zukünftiges Handeln. Für die gute und gelungene Vorbereitung der Gründungsversammlung bedanken wir uns bei dem Gründungskomitee, allen Voran Serhat Ortac, Telim Tolan, Dr. Sefik Tagay, Aslan Kizilhan und Feremez Xeribo. Die breite Unterstützung bei der Gründung des Zentralrats zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Bielefeld, den 01.02.2017
Der Vorstand
Zentralrat der Êzîden